Eine tierische Veranstaltung – Ochsenkarrenrennen und „Sauce chien“

Spectacle au bord de la mer – Foto: Christine Bonvin

Was ist denn hier los? Wir haben uns auf unser einsames, ruhiges Picknick an einem der schönsten Strände von Guadeloupe gefreut, und jetzt ist die Zufahrt zur Plage Anse Maurice überlaufen. Es scheint, als ob es etwas zu sehen gäbe. Wir wollen uns das Ereignis nicht entgehen lassen und beschließen eine Programmänderung – das Essen und die Ruhepause können warten.

La sieste des bœufs tirants à l’Anse Maurice (Petit Canal) – Foto: Christine Bonvin

Auf dem Platz, wo üblicherweise die Autos stehen, sind sauber gewaschene und gestriegelte Ochsen „geparkt.“  Ich frage mich, ob die Männer auf Guadeloupe samstags jeweils die Tiere auf Hochglanz bringen, anstatt wie bei uns die Autos. Hier findet ein traditionelles Ochsenkarrenrennen statt. Wir haben jedoch nirgendwo etwas gelesen oder gehört. Es ist ein regionaler Anlass für die Einheimischen. Außer uns sind keine Touristen vor Ort.

Alles hat seine Zeit – Foto: Christine Bonvin

Die Atmosphäre ist friedlich, locker, man kann fast sagen: familiär. Und dies, obwohl es um einen Wettkampf geht. Die Menschen treffen sich, um eine Tradition lebendig zu halten, sich miteinander zu messen, sich zu unterhalten, und zum Essen und Trinken.

Wir schauen uns um und sehen zum ersten Mal, dass es auf Guadeloupe auch Leute gibt, die Gummistiefel tragen. Ansonsten sehen wir auf den Straßen alle in Flip-Flops oder aber in ganz eleganten Schuhen.

Aufmerksames warten vor dem Sturm auf den Hügel (30 MüM) – Foto: Christine Bonvin

Früher wurden die Ochsen vor den Karren gespannt, um das Zuckerrohr vom Feld zur Fabrik zu transportieren. Heute sind sie nicht nur landwirtschaftliche Mitarbeiter, sondern im Team mit dem Züchter und zwei Helfern auch Freizeitsportler. Bei einem Ochsenkarrenrennen zählt die Leidenschaft, und dafür bekommt der Bauer dann Ruhm und Ehre sowie ein Preisgeld für einen der ersten drei Plätze. Die Zweiergespanne treten in verschiedenen Kategorien an. Die leichtesten Ochsen wiegen um die 570 kg, die schwersten mehr als 850 kg.

Koordination der Ressourcen – Foto: Christine Bonvin

Hier an der Plage Anse Maurice legt das Gefährt eine Strecke von 173 Metern und einen Höhenunterschied von 30 Metern zurück. Das Gewicht des Wagens variiert je nach Kategorie zwischen 1 bis 2.2 Tonnen.

Halt, Stopp und sichern! – Foto: Christine Bonvin

Wenn die Tiere eine Pause brauchen, legt der Helfer einen Holzblock hinter das Wagenrad.

…so eine Pause zum Verweilen… – Foto: Christine Bonvin

 

 

 

 

 

„Pas ni Pwoblèm!“ Ist Kreolisch und heisst: überhaupt kein Problem! Dieser Ausdruck entspricht auch der Mentalität der Inselbewohner. Dann wartet man eben.

Die letzten Meter … Foto: Christine Bonvin

Ziel des Rennens ist, in einer bestimmten Zeit die Strecke zurückzulegen. Darum geht es nach einer Pause weiter. Die Tiere werden nie misshandelt, obwohl man die Peitsche benützen kann. Diese wird aber über, und nicht auf den Rücken der Ochsen geschlagen und darf nicht mehr als zwölf Mal benutzt werden.

Ihnen entgeht gar nichts… Foto: Christine Bonvin

Darüber wachen die Schiedsrichter. Sie stehen am Rand des Parcours und haben runde Scheiben mit Zahlen in der Hand. Bei jedem Schlag wird aufsummiert. Einer dieser Männer spricht uns auf Deutsch an. Als französischer Staatsangehöriger hat er einen Teil seines Militärdienstes in Deutschland absolviert … und dort die Sprache gelernt. Er ist es, der uns in die Regeln des Rennens einführt und uns im Detail erklärt, um was es überhaupt geht.

Unser Picknick bleibt im Rucksack verstaut. Das können wir auch am Abend zu Hause verschlingen. Denn auf dem Festplatz bieten die Frauen ein kreolisches Gericht an, das wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Gegrillter Fisch mit Reis, Bananengratin und „sauce schien“ Foto: Christine Bonvin

Gegrillter Fisch mit Reis, Bananengratin und „sauce chien“.

In der Sauce ist kein Hundefleisch. Die Bezeichnung kommt von einer französischen Messerfabrik mit dem Namen: chien. Zum Schneiden der Zutaten wurde früher diese Messermarke häufig benutzt.

Rezept „sauce chien à la créole“

4 Frühlingszwiebeln, 2 Zehen Knoblauch, 2 Schalotten, 1 kleine Peperoni, 2 Esslöffel Öl, Saft einer Limette, 1 Bund Petersilie, Salz, 3 Esslöffel heisses Wasser, Salz.

Zwiebeln, Knoblauch, Schalotten, Peperoni, Petersilie klein hacken, Salz, Öl und Limonensaft dazugeben. Am Schluss heisses Wasser darüber giessen und mindestens drei Stunden in einem geschlossenen Gefäss ziehen lassen.
Eignet sich gut zu Grilladen!

Viel Spaß beim Genießen.

Leben ist Genuss des Augenblicks
besonderes auf Guadeloupe
Ihre
Christine Bonvin

Wenn das nicht mal eine ausgefallenes Rennen ist! Die Genussligaladys bedanken sich bei Christine Bonvin für den Genuss daran teilhaben zu dürfen.

Die Schweizer Autorin Christine Bonvin schreibt genussreiche Krimis, die auch uns munden. Deshalb sei an dieser Stelle die »Olympiade der Köche« besonders empfohlen:

Cover Olympiade der Köche

Und hier ist der Link zur Webseite von Christine Bonvin: http://bonvinc.bonne-eau.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.